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Taschen Guide | 07 April 2017

Hermès: Luxus, der nicht mit Traditionen bricht

Sogar der Name erinnert an den Gedanken der Reise - in der griechischen Mythologie galt Hermès als Bote der Götter. Von einem kleinen Modehaus aus dem Jahre 1837, das sich ursprünglich dem High-End-Reitzubehör widmete, etablierte es sich zu einem der mächtigsten Keyplayer in der internationalen Modewelt. Mit seinen unverwechselbar schönen Ready-To-Wear-Kollektionen und ikonischen Accessoires, besteht das Label immer wieder den Test der Zeit.

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Diskret experimentell
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Frühjahr/Sommer 2017 von Nadege Vanhee Cybulski ; Herbst-Winter 2014 von Christophe Lemaire ; Frühjahr/Sommer 1999 von Martin Margiela

Hermès wurde aus dem Wunsch geboren, Produkte von höchster Qualität zu schaffen. So wundert es kaum, dass die Verantwortlichen des Hauses die kreative Leitung seit jeher talentierten, dynamischen und innovativen Schöpfern in die Hand gelegt haben. Unter ihnen kein anderer als Martin Margiela, der zwischen 1997 und 2003 eine beispiellose Revitalisierung auslöste. Bekannt für seine politischen und eher umstrittenen Entwürfe, brachte er bahnbrechende Einfachheit in die Damen-Kollektionen des Hauses: Hosenanzüge, lange Kleider und Mäntel von außergewöhnlicher Qualität aus Wolle, Kaschmir und Baumwolle. Damit verlor der einst so klar definierbare Luxus des Hauses seinen ostentativen Aspekt und wurde von einem äußerst glatten Minimalismus abgelöst – die Einleitung einer neuen Ära in der französischen Mode.

Nach Margiela’s Abgang, gab Jean-Paul Gaultier dem Haus ein völlig neues Gesicht, indem er das Thema Reise sowie kulturelle Erforschung in seinen Kollektionen thematisierte. Dem Designer gelang es, dem bis dato sehr cleanen Modehaus verspielte, unkonventionelle, teilweise sogar naive Elementen zu injizieren.

Seine Nachfolger, Christophe Lemaire und Nadège Vanhee-Cybulski, die noch immer an der Ready-To-Wear Spitze stehen, schlossen sich dieser Ästhetik an und beherzigen bis heute die makellose Qualität und pure Eleganz, ohne anmaßend oder prunkgeladen zu wirken.

Luxus als Lebensart
Jane Birkin ; Grace Kelly ; Serge Gainsbourg und sein Haut à courroies

Im Laufe der Jahre konnte sich Hermès immer stärker in der Welt der Mode behaupten und einen ganz eigenen Lebensstil entwickeln, der immerzu dem Zusammenspiel aus Luxus und Raffinesse gerecht wird. Obwohl sich das Unternehmen von seinem ursprünglichen Image als Reitsportzubehör-Hersteller emanzipieren konnte, verpflichtet es sich dennoch oder vielmehr gerade deswegen, außergewöhnliche Materialien und präzise Handwerkskunst in jedes seiner Produkte mit einfließen zu lassen. Die Kreation eines bunt bedruckten Seidenschals im Jahre 1937 - besser bekannt als „Carré“ - verhalf dem Unternehmen zu riesigem Erfolg.

Der Bestseller des Hauses wird jedes Jahr neu aufgelegt und mit verschiedenen Farben und Mustern versehen. Ob Pferderennen oder Jagdszenen, das Design knüpft dabei stets an die Geschichte des Hauses an und hat sich zu einem internationalen Statussymbol des luxuriösen Lebensstils etabliert. In der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts erweiterte das Luxushaus seine Produktvielfalt schließlich um Uhren, Schmuck und edles Interieur – eine Entscheidung, die aufgrund des andauernden Erfolgs nur eine logische Schlussfolgerung zu sein schien. Heute blicken wir auf eine ganze Welt, die das Hause Hermès geschaffen hat und stets seinem außergewöhnlichen Design widmet.

Erfinder der It-Bag
Kelly, Constance und Birkin Taschen

Hermès scheint besser, als jede andere Marke zu verstehen, was es benötigt, Accessoires für die Ewigkeit entwerfen. Das bekannteste aller Taschenmodelle ist dabei immer noch die Kelly Bag, deren Name einen genauso festen Stammplatz im Modelexikon belegt, wie Hermès selber. Im Jahre 1892 erschaffen, wurde die damalige "Haut à Courroies“, über 60 Jahre später neu erfunden und nach Grace Kelly, der damaligen Prinzessin von Monaco umbenannt, die mit jenem Modell fotografiert wurde, als sie versuchte, ihren Babybauch zu verbergen. Die erste It-Bag war geboren, die es seither in allen Formen, Farben und Materialarten gibt. Als mindestens genauso ikonisch gilt die Birkin-Bag.

Diese wurde von einem Gespräch zwischen Jane Birkin und Jean-Louis Dumas (damaliger Vorsitzender von Hermès) inspiriert, in dem sie ihm erklärte, dass sie keine Handtasche finden könne, die sowohl elegant als auch groß genug sei, um die Dinge ihrer Tochter unterzubringen. Ähnlich der Kelly, wenn auch größer und weicher, ist sie heute einer der begehrtesten Taschen der Welt. So sind Hermès Handtaschen zu den ultimativen Luxus-Accessoires und Investitions-Pieces aufgestiegen, nach denen Vintage Sammler auf der ganzen Welt verrückt sind – nicht zuletzt, da sich ihr Wert im Laufe der Zeit vervielfacht.